Eintritt

Die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche wird durch die Taufe begründet. Da die Taufe aber allen christlichen Konfessionen gemeinsam ist, wird jede Taufe im Rahmen einer bestimmten Kirchengemeinschaft von den meisten anderen christlichen Kirchen auch als vollgültig anerkannt (eine Ausnahme besteht lediglich bei jenen Kirchen, die statt der Kindertaufe grundsätzlich nur die Erwachsenentaufe anerkennen). Sie braucht daher bei einem Konfessionswechsel auch nicht wiederholt zu werden.

Das aber bedeutet: Der Wechsel von einer christlichen Konfession in eine andere hat keine sakramentale Bedeutung, sondern stellt im Grunde bloß einen Formalakt dar. Dieser ist in Österreich – seit Kaisers Zeiten – allerdings in zwei Schritt gegliedert:

  • Der Austritt aus der Kirche, der man bisher angehört hat, erfolgt (unter Vorlage eines Taufscheins) vor einer staatlichen Behörde: Bezirkshauptmannschaft oder in größeren Städten magistratisches Bezirksamt. Diese Behörde meldet den Austritt dann an die entsprechende Kirche weiter. Der Sinn davon ist, dass damit sichergestellt ist, dass keine kirchliche Instanz auf die Austrittswilligen moralischen Druck ausüben kann.
  • Der Eintritt in die neu gewählte Glaubensgemeinschaft hingegen wird im jeweils zuständigen Pfarramt der neuen Konfession vollzogen; an Unterlagen wird wiederum der Taufschein benötigt sowie die Austrittsbescheinigung der BH. Meist ergibt sich bei dieser Gelegenheit ja auch ein persönliches Gespräch mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer. In der Evangelischen Kirche wird es in vielen Gemeinden so praktiziert, dass am darauffolgenden Sonntag im Gottesdienst noch ein kurzer liturgischer „Willkommensritus“ begangen wird.   

Man sollte sich einen solchen Schritt auf jeden Fall aber gut überlegen!

Oft ist es lediglich die momentane Verärgerung über irgendeinen konkreten Menschen, die den Konfessionswechsel wünschenswert erscheinen lässt. Aber die Frage ist: Rechtfertigt das einen solchen Schritt wirklich? Schließlich „menschelt“ es in  jeder  Glaubensgemeinschaft. Enttäuschungen und Frustrationen über Personen und Strukturen kann es selbstverständlich überall geben.

Bevor man sich zum Eintritt in eine neue Kirche entschließt, sollte man unbedingt einige Gottesdienste dort besuchen. Sie vermitteln viel mehr an „Stimmung“ und Glaubensemotionalität als jede theoretische Abhandlung. Im Erleben eines Gottesdienstes spürt man am schnellsten: Hier fühle ich mich wohl, hier könnte meine neue spirituelle Heimat liegen – oder nicht.

Hermann Miklas