Evangelische Kirche A.B. in Österreich (lutherische Kirche)
Die Frage der Homosexualität wird von den Pfarrerinnen und Pfarrern sowie den Gemeindemitgliedern unserer Kirche unterschiedlich gesehen:
Die einen sehen in der Homosexualität eine naturgegebene Prägung, die weder Krankheit noch persönliche Entscheidung ist, sondern eine schöpfungsgegebene Grundlegung, für die der Mensch nicht verantwortlich ist. Daher steht diesen Menschen auch die Ausübung dieser (gleichgeschlechtlichen) Sexualität genauso zu wie den heterosexuellen Menschen (immerhin spricht man davon, dass etwa 5% der Weltbevölkerung homosexuell sind).
Ein (kleinerer) Teil der Mitglieder unserer Kirche sieht in der Homosexualität eine Form von Sexualität, die nicht Gott gemäß, somit also nicht schöpfungsgebunden ist. Homosexuelle könnten sich willentlich gegen die Homosexualität entscheiden, zumindest könnte diesen Menschen geholfen werden, davon los zu kommen. Das Nein dieser Gruppe zu homosexueller Praxis verhindert allerdings nicht die Seelsorge an den Betroffenen.
Die Synode unserer Kirche hat festgestellt, dass eine kirchliche Trauung von Paaren, die nicht standesamtlich getraut sind, nicht möglich ist, wohl aber die Bitte um Gottes Segen für diese Beziehungen in seelsorgerlichem Rahmen.
Evangelische Kirche H.B. in Österreich (reformierte Kirche)
Die Reformierte Kirche in Österreich hat mit ihrem Synodenbeschluss von 1999 die Möglichkeit geschaffen, gleichgeschlechtliche Paare in einem Gottesdienst zu segnen. Weiters hat die Kirche mit diesem Beschluss bekundet, dass es keinen Grund gibt, gleichgeschlechtlichen Paaren die Segenshandlung zu verweigern, weil das Entscheidende nicht die Geschlechtszugehörigkeit, sondern die Liebe zweier Menschen zueinander ist und der damit verbundene ernsthafte Vorsatz, eine lebenslange Partnerschaft einzugehen.
Herwig Hohenberger