Frauenbilder

Frauen haben hier nix zu melden: Bereits im Neuen Testament werden Frauen genannt, die zum Jüngerkreis Jesu zählen. Auch unter den Mitarbeitern des Paulus finden sich Frauen. Seit rund 100 Jahren können Frauen in Österreich Theologie studieren, seit 1965 werden Frauen zum geistlichen Amt ordiniert, seit 1980 sind sie Männern im Pfarrdienst völlig gleichgestellt.

Dieser Schritt fiel vor allem deswegen leicht, weil das Priestertum in der Evangelischen Kirche keine Unterscheidung kennt zwischen Laien und Pfarrern. Evangelische Theologinnen können selbstverständlich jedes geistliche Amt in der Evangelischen Kirche anstreben, somit auch Bischöfin werden.

Pfarrerin werden

Voraussetzung für die Tätigkeit als evangelische Pfarrerin ist ein Abschluss in evangelischer Theologie. Daran anschließend erfolgt das Lehrvikariat in einer zugeteilten Pfarrgemeinde unter Aufsicht einer/eines „Lehr“-Pfarrers/in. Gefolgt ist die Phase von der Pfarramtskandidatur, in der die Pfarrgemeinde bereits selbständig betreut wird. Die Ordination  ins Pfarramt bildet den Abschluss der Ausbildung*.

Nicht jede Frau möchte als Pfarrerin arbeiten

In der Evangelischen Kirche verwirklichen sich Frauen damit in vielerlei Hinsicht. Sie sind ehrenamtlich tätig, als nicht „ordinierte Gemeindeglieder“ haben sie als Lektorinnen Anteil an der Verkündigung, viele Frauen leisten mit ihrem Dienst einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Gemeinden. Lektorinnen halten das Bewusstsein wach, dass der Gottesdienst nicht nur Sache der Pfarrerin oder des Pfarrers ist, sondern unter dem Aspekt des Priestertums aller Getauften, aller Gemeindeglieder, gelebt wird.

Die Evangelische Kirche ermöglicht noch mehr: Frauen werden als Lektorinnen befähigt, Gottesdienste zu leiten und auch in anderen gemeindlichen Aufgabenfeldern qualifiziert mitzuarbeiten. Man denke dabei nur an den Grundsatz, dass neben jeder Pfarrerin/jedem Pfarrer immer auch eine Laiin oder ein Laie gleichrangig in der Pfarrgemeindeleitung arbeitet. 

Leitung und Verantwortung

Zahlreiche Frauen arbeiten in der Evangelischen Kirche als Religionslehrerin, Schatzmeisterin, als Chorleiterin und Organistin. Viele Frauen wirken in den Pfarrgemeinden als sogenannte Kuratorin mit, welche als „weltliche Leiterin“ gleichrangig neben der Pfarrerin, neben dem Pfarrer arbeitet. Auf landeskirchlicher Ebene finden sich viele Frauen in Leitungsfunktionen, ebenso auch bundesweit auf synodaler Ebene.

Zweidrittelanteil Frauen

Der Anteil an Frauen im Gottesdienst und den unterschiedlichen Arbeitsfeldern der Evangelischen Kirche beträgt rund zwei Drittel. Der Weg von der Unterordnung unter den männlichen Willen über die Zuordnung zur Gleichberechtigung war ein mühsamer. Zu vertraut war lange das Bild der fleißigen, braven und immer freundlichen Pfarrfrau. Evangelische Frauenarbeit - dieses Wort bis heute missverständlich - versteht sich als Forum für Frauen, die sich fragend und suchend auf den Weg machen zu ihrem eigenen Frauenbild und den für sie wesentlichen Inhalten der christlichen Botschaft. In der Steiermark arbeiten landesweit neun Kuratorinnen als gleichberechtige Partner.