Nah am Menschen

Verlierer haben hier nix zu suchen: Dieser Provokation steht die Diakonie gegenüber. Diese Organisation in der heutigen Form ging aus dem Wirken einiger evangelischer Pfarrgemeinden hervor. Die ersten Diakone waren evangelische Pfarrer und christlich-diakonisch gesinnte Menschen, die das Elend und die Nöte in ihrem Umfeld wahrnahmen. Evangelische identifizierten sich mit dem Diakoniewerk. Es war für sie ein Teil ihrer evangelischen Welt. 

von Elisabeth G. Pilz

Heute ist Vieles anders. Diakoniewerke sind gewachsen und arbeiten ähnlich erfolgreich wie früher, und nach den neuesten, fachlichen Erkenntnissen.  Kreativität von uns evangelischen Christen ist gefragt. Jeder von uns kann diakonisch tätig sein, zum Beispiel, indem er in seiner Pfarrgemeinde mit gestaltet.

Zahlreiche diakonische Wirkungsfelder.

Zum einen ist dies die so genannte Community Organizing-Stadtteilarbeit: Hier werden Mieterfragen, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Jugendprobleme, Abbau von Diskriminierung, Integration thematisiert. Sie wird in unseren Städten immer wichtiger.

Weiters stellt das Arbeiten mit und für Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen eine große Herausforderung dar. Die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung in Kindergärten, in Schulen, in verschiedenen Arbeitsfeldern und in den Pfarrgemeinden soll eine Selbstverständlichkeit darstellen.

Die Katastrophenhilfe, Auslandshilfe, der Kampf gegen Hunger und Ungerechtigkeiten wird in der Diakonie öffentlich gemacht. Verantwortung wird eingefordert, eine der wichtigen Botschaften gelebter und verwirklichter Gemeindediakonie. 

Sich für die Gleichstellung aller Menschen ein zu setzen, das Dasein für Menschen in Krisen- vor allem auch für Kinder und Jugendliche – damit zum Beispiel alle dieselben Bildungschancen haben – sind lohnende Ziele gelebter Diakonie. 

Ein weiterer Eckpfeiler sind die Flüchtlingsberatung und –hilfe,  die Betreuung und Begleitung im Asylverfahren, die Hilfestellung bei der Integration in der neuen Heimat. Dieser Dienst wird von den Pfarrgemeinden tatkräftig unterstützt, vor allem auch durch gelebte Integration, fördernde Öffentlichkeitsarbeit  und finanzielle Hilfe. 

In Österreich leben 500 000 Menschen unter der Armutsgrenze. Diese Menschen erhalten Hilfe, damit ihr Leben etwas leichter wird. Gemeindediakonie bedeutet, dass es ein christlich- soziales- wirtschaftliches Auffangnetz für diese Menschen gibt. 

Gelebte Gemeindediakonie ist auch, wenn sich Generationen vermischen, wenn junge Menschen ermutigt werden, Zivildienst oder freiwillig diakonische Dienste zu leisten oder auch, wenn Menschen motiviert werden, sich für einen Sozialberuf ausbilden zu lassen. 

Alte Menschen.

Nicht zuletzt setzt die Diakonie Schwerpunkte in der Sorge für ältere, pflegebedürftige, kranke Menschen, die ein neues Zuhause, Betreuung und Pflege brauchen. Die Seelsorge in Seniorenbetreuungseinrichtungen und in Privathaushalten der Pfarrgemeinden gehört zu den diözesanen Aufgabenbereichen. Wir leben in einer Zeit des großen Umbruchs. Menschen werden älter und sehr alt.

Häusliche Pflege ist oft aus verschiedenen Gründen von Familienmitgliedern nicht mehr leistbar. Eine der Aufgaben als diakonisch agierende Kirche wird in Zukunft sein, für die Sorge und Betreuung älterer Menschen Verantwortung zu tragen, Hilfestellungen stärker zu vernetzen, sich weiter zu bilden, aufklärend tätig zu sein. Diese Aufgaben sind untrennbar mit dem christlich-diakonischen Leitbild unserer evangelischen Kirche verbunden. An uns wird es liegen, wie wir in der Gesellschaft die soziale Sicherheit älterer Menschen vertreten. „Aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ soll nicht nur als Jahresthema von 2012 als Schlagwort in Erinnerung bleiben. Die Umsetzung ist uns als Kirche selbstverständlich. 

Den Wert und den Entwicklungsstand einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht.

Gesellschaftspolitische Antworten.

Als „seelsorgende-diakonische Kirche“ versuchen wir auf diese Aussage eine Antwort zu geben. Einige wichtige Punkte sollen das aufzeigen:

Menschen sind wichtig und wertvoll, bis an ihr Lebensende, wir fühlen uns mit allen Generationen solidarisch, besonders auch mit den älteren Menschen.

Schwächere Menschen, ältere Menschen machen unsere Welt bunt- in Notzeiten soll Beistand selbstverständlich sein.

Unsere Kirche motiviert zum Ehrenamt, fördert Ehrenamtliche und bildet sie aus.

Nachgehende Sorge, Solidarität und Seelsorge für kranke, notleidende Menschen und deren Angehörige soll in den Pfarrgemeinden ausgebaut werden.

Positive, fördernde Öffentlichkeitsarbeit zu diakonischen Themen ist gefordert.

Über wichtige Krankheiten im Alter, besonders über Demenzformen informieren wir und bieten Weiterbildung an, damit Ängste nicht zu groß werden.

Der Austausch zwischen Pfarrgemeinden, SeelsorgerInnen und Verantwortlichen von Betreuungseinrichtungen und mobilen Diensten wird forciert.

Flächendeckende, multiprofessionelle palliative Pflege zu Hause, in Alten- und Pflegeheimen werden wir als evangelische Kirche einfordern und unterstützen.