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Karfreitags-Regelung: Stellungnahme Evangelische Kirche in der Steiermark

Steirischer Superintendent Wolfgang Rehner ortet Eingriff in die freie Religionsausübung

 

Deutliche Kritik zur gestern von der Bundesregierung verlautbarten  Karfreitags-Regelung kommt  auch von der Evangelischen Kirche in der Steiermark.

 

„Eine halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge“, so interpretiert der steirische Superintendenten Wolfgang Rehner die Karfreitags-Regelung der Bundesregierung. Denn mit dem halben Feiertag werde den Evangelischen ein ganzer freier Tag genommen; das sei die arbeitsrechtliche Wahrheit. Künftig müssen Karfreitags-Gottesdienste auf die Nachmittage und Abende konzentriert werden. Das sei eine gravierende Einschränkung des kirchlichen Kernangebots, so Rehner. Und weiter: „Es stellt gerade unsere kleinen Gemeinden vor unlösbare organisatorische Herausforderungen und bedeutet letztlich einen Eingriff in die freie Religionsausübung der Evangelischen.“ „Wir als Kirche können keinen Feiertag erzwingen. Die Regierung stellt Weichen, der Gesetzgeber entscheidet, “ fasst Rehner zusammen. Karfreitag ist überall auf der Welt, so Rehner,  in nichtchristlichen Ländern ist die gottesdienstliche Feier an diesem Tag nur schwer oder eingeschränkt möglich. „Offensichtlich gehört Österreich in Zukunft ebenfalls zu dieser Kategorie“, so Rehner. Das sei enttäuschend und äußerst bitter.

 

Axmann: "Regelung stellt erhebliche Verschlechterung für Evangelische dar"

 

Auch Michael Axmann, Superintendentialkurator der Evangelischen Diözese Steiermark zeigt sich erschüttert über die Entscheidung der Bundesregierung. „Es ist verstörend, wie mit einer Minderheit umgegangen wird. Unsere Kirchen sind an diesem Tag voll. Auch daran erkennt man die hohe Bedeutung dieses Feiertages für Evangelische. Viele Gottesdienste finden in der Steiermark am Vormittag des Karfreitag statt. In Zukunft werden zahlreiche Evangelische um einen Urlaub ansuchen müssen, um den Gottesdienst besuchen zu können. Der Feiertag beginnt ja dann erst um 14 Uhr.“ Diese Lösung stelle für die Evangelischen eine erhebliche Verschlechterung dar, so Axmann, denn es sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich, alle Gottesdienste auf den Nachmittag zu verlegen. Ein weiterer Urlaubstag für alle, so Axmann, wäre besser gewesen. Denn dann hätten Evangelische am Karfreitag, Mitglieder der Jüdischen Glaubensgemeinschaft am Jom Kippur ihren Feiertag genommen, und Menschen ohne Glaubensbekenntnis diesen Urlaubstag frei wählen können. Diese Lösung wäre eine Bereicherung für das Glaubensleben gewesen. Auch ein Abtausch mit dem Ostermontag wäre, so Axmann, besser gewesen als die nun getroffene Lösung.

 

 

Die Einigung der Regierungsparteien auf einen „halben Feiertag“ war eine Reaktion auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 22. Jänner, wonach ein arbeitsfreier Feiertag am Karfreitag nur für evangelische und altkatholische ArbeitnehmerInnen eine Diskriminierung darstelle.